Protest im ORF

Text der Resolution, die von 3/4 der ORF-Journalisten unterschrieben worden ist:

Wir, die Journalistinnen und Journalisten des ORF, stehen für einen unabhängigen ORF. Wir sind ausschließlich journalistischer Ethik und dem ORF-Publikum verpflichtet und lassen uns die in der Verfassung garantierte Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht nehmen. Weder durch parteipolitische Wünsche noch durch die Bereitschaft der Geschäftsführung diese zu erfüllen. Während Dienstposten in den Redaktionen in längst unerträglichem Ausmaß reduziert werden, gibt es für Stellen, die zur Erfüllung parteipolitischer Wünsche neu geschaffen werden, offenbar Geld. Wir fordern von der Geschäftsführung alle Vorhaben, die das Ansehen des ORF als unabhängiges Medienunternehmen beschädigen, zurückzunehmen. Vom Gesetzgeber fordern wir Rahmenbedingungen, die die ORF-Unabhängigkeit stärken (u.a. völlig neues Aufsichtsgremium, verbessertes Redakteursstatut).

Der ORF gehört den Österreicherinnen und Österreichern – nicht den Parteien.

Bremer Erklärung

Auf dem letzten Treffen der „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse“ (AGRA) am 10./11.November in Bremen haben wir RedakteuInnen u.a. über veränderte Arbeitsbedingungen in den einzelnen Sendern berichtet. Immer mehr Programm soll in immer kürzerer Zeit von den KollegInnen produziert werden – darunter leidet häufig die Qualität der Produkte. In diesem Sinne haben wir die „Bremer Erklärung“ an die Intendantinnen und Intendanten gerichtet.

Die AGRA sieht die Tendenz, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Kompetenz in der Berichterstattung verlieren, wenn es ihnen nicht gelingt, bei knapper werdenden Mitteln ihre Qualität zu sichern.

Uns sind dabei folgende Punkte wichtig:

1. Unsere Reputation ist davon abhängig, dass weiterhin Fachredakteure zu Gerichtsverhandlungen, Kongressen, Pressekonferenzen gehen und dort qualifizierte Fragen stellen, um komplexe Vorgänge einordnen zu können. Wir hören aber, dass ausscheidende Fachredakteure manchmal nicht ersetzt werden und Fachredaktionen abgeschafft werden. Wir wünschen, dass Fachwissen erhalten und gefördert wird. Die Aus- und Fortbildung muss unterstützt werden, feste und freie Fachredakteure müssen auch dafür bezahlt werden, dass sie am Thema dranbleiben, um Kompetenz zu erhalten und Kontakte zu pflegen – nicht nur für die aktuelle Berichterstattung. Erfolg versprechend können auch Fachsendeflächen sein. Es ist belegt, dass diese über das Internet viele neue Nutzer gewinnen. Wir schlagen vor, dass unter den Freien und festen Redakteuren Fachleute identifiziert und gefördert werden und dass ihr Wissen mehr genutzt wird.

Wir unterstützen positive Ansätze wie den Aufbau von Recherchepools. Nur so können die Sender über den Terminjournalismus hinaus eigene Themen setzen.

2. Viele Freie bekommen Recherchetage und Reisen häufig nicht bezahlt. Des Weiteren sollen sie neben ihrer Autorentätigkeit mehr Ausspielwege bedienen, selber aufnehmen, drehen und schneiden. Dafür werden sie aber oftmals nicht gesondert honoriert.

Freie Mitarbeiter und fest angestellte Redakteure arbeiten immer häufiger als Generalisten. Die Gefahr besteht, dass sie dann komplexe Themen nicht mehr einschätzen können. Sie sind leichter zu beeinflussen von Lobbyisten. Sie laufen Gefahr, gerade unter Zeitdruck, Pressemeldungen und PR-Infos ungeprüft zu übernehmen.

Unter diesem Druck ist es schwierig, hochwertige Produkte zu erstellen. Die Folgen der Arbeitsverdichtung gelten auch für Festangestellte.

3. Redaktionsvolontäre berichten, dass in der Ausbildung technische Aspekte und die Beherrschung von Aufnahme- und Ausspielformen immer mehr Raum einnehmen. Das gehe zu Lasten inhaltlicher Aspekte wie Darstellungsformen, Dramaturgie, Interviewtechniken etc.

Natürlich ist es wichtig, alle neuen Ausspielwege zu erschließen, um die Zuschauer, Hörer, User dort abzuholen, wo sie sind. Aber das journalistische Handwerk sollte an erster Stelle stehen.

Sendeflächen müssen mit guten Inhalten gefüllt werden. Gerade in einer komplexer werdenden Medienwelt setzt sich nur Qualität durch. In einer komplexen, unübersichtlichen Welt suchen die Menschen nach Einordnung und Erklärung durch kompetente Journalisten.

4. Wir beobachten den Zwang, immer mehr Programm zu füllen und hören, dass Redakteure keine Zeit mehr haben, die Inhalte mit der gebotenen Sorgfalt zu prüfen.

5. Durch die Tendenz, mit weniger Mitarbeitern mehr Programm zu füllen, geht häufig der innerbetriebliche Austausch verloren (Job Rotation). Wir fordern die Intendantinnen und Intendanten auf, solche Möglichkeiten zu erhalten und zu fördern. Nach unserer Erfahrung erweitern sie den Horizont und verbessern die multimediale Zusammenarbeit. Perspektivwechsel erhöhen die Motivation und führen zu messbar besseren Ergebnissen.

Die Existenzgrundlage der öffentlich-rechtlichen Sender darf nicht aufs Spiel gesetzt werden: Qualität ist das beste Argument fürs Überleben. Nur die öffentlich-rechtlichen Sender können aufwändig recherchierte Inhalte liefern, die die Gebührengelder rechtfertigen. Die inhaltliche Qualität ist das dauerhafte Unterscheidungsmerkmal.

Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse bietet sich den Intendantinnen und Intendanten für einen Austausch über die Qualitätssicherung an.

Bremen, 11. November 2011

Stellungnahmen:

Radio überholt sich selbst

oder

Wie Macher ins Blaue senden und Hörer anderes wollen

Eine Behauptung von Udo Seiwert-Fauti

Wir alle kennen das. Radio als reines Radio ist tot, Radio muss ins Internet, im Internet überleben, Zusatzdienste anbieten, auf Apps und mit Apps vertreten sein und bitte … nie ein Beitrag länger als, nun ja, 50 Sekunden … aber längstens. DER Hörer will nichts anderes , er will „nebenbei hören“ und schon gar nicht will er Informationen lange zuhören. Um diesen Minimum- Radioansprüchen zu genügen, haben meist selbst ernannte Radioberater und Quoten-Statistiker das Formatradio erfunden. Es ist nicht etwa ein Radio mit Format, denn dieses Formatradio ist ausschließlich formatiert. Wer in so genannten AKTUELL Sendungen länger als 2 Minuten redet … wenn es denn mal live ist … erlebt Schweißausbrüche bei Moderatoren und Redakteuren, das Format wird empfindlich zer- und gestört. Alles kommt durcheinander, das SendeSCHEMA kommt ins Wanken.
Frage: was hat das alles noch mit einem lebendigen, ungewohnten und interessanten Radio zu tun? Die Antwort lautet kurz und knapp und doch sehr präzise: Nichts!

Das aktuell in Deutschland zu hörende Radio, öffentlich-rechtlich wie kommerziell, ist – bis auf wenige löbliche Ausnahmen (Detektor FM in Leipzig z.B.) nur noch Schema F. Risiko, Unerwartetes ist nicht mehr zu erwarten und vor allem NICHT erwünscht. So hart es klingen mag, die Digitalisierung des Radios und der Radioabläufe hat zu einer deutlichen Verschlechterung der Radioqualität in Deutschland geführt. Nie gab es so viele Versprecher, Ungenauigkeiten in Moderationen, Unachtsamkeiten und Unkonzentriertheiten wie aktuell. Der Grund m.E.: wo Moderatoren sich früher auf Inhalte konzentrieren konnten, müssen sie heute bei den Moderationen auf bis zu 5 Bildschirmen, sorry: Screens, Abläufe überwachen und Inhalte ablesen. Deutsche Radios können stolz sein : die radiomachende Wollmichsau ist endlich da! Weniger am Senden Beteiligte und vor allem Verantwortung fürs Radio Übernehmende vor und hinter dem Mikro sparen Kosten ein, ARD Sender verkünden derzeit vor diesem Hintergrund auch noch stolz neue Budget-Überschüsse, aber … die Qualität insgesamt geht immer mehr – ich lebe im Südwesten – den Schwarzwaldbach hinunter.

Blicken wir in unsere Nachbarländer … und die Absurdität der deutschen Radioauffassungen wird noch absurder. Länder, die in Deutschland und mit ihren Anschauungen als konservativ gelten, sind im Radiobereich die Innovativsten und zeigen täglich, stündlich, minütlich und auch sekündlich wie modernes und aktuelles Radio der Zukunft aussehen könnte. Beispiele: die Schweiz und Großbritannien.

Frage: wo gibt es im Global Player Land Deutschland ein englischsprachiges Radioangebot, dass sich an alle die Deutschen wendet, die eigentlich Ausländer sind aber in Deutschland leben und arbeiten, deren Muttersprache aber eben deutsch nicht ist? Mal abgesehen davon, dass z.B. in Städten wie Köln, Frankfurt, Berlin und Stuttgart täglich Tausende einfliegen, die Englisch aber nicht deutsch reden.

You remember the Europäische Zentralbank, die Banken, Autounternehmen? Geht nicht, kostet, Aufschrei in den Radio-Führungsetagen … wagt man das Thema auch nur dezent anzusprechen. Typisch deutsch.

In der Schweiz hat das öffentliche-rechtliche Radio World Radio Switzerland erfunden, das genau das macht, was ich eben beschrieben habe. Auf Englisch Infos über die Schweiz liefern, damit sich Ausländer im Land wohl und sich willkommen fühlen. Daily, every minute and second, um es auf Englisch zu sagen. Und wen wundert es: 50 % Anteilseigner ist der BBC World Service!

Stichwort: UK. Im UK ist Rolling Stones Gitarrist Ronnie Wood gerade als DJ des Jahres 2011 gekürt worden. Im Digitalradio, genauer: auf Absolute Classic Rock, hat er jede Woche eine eigene Radiosendung, die als „Hinhör-Hammer“ gilt. Man stelle sich Udo Lindenberg in Deutschlands Radio vor. No chance, zuviel Risiko, der redet zu lange. Und wer will das denn bitte in Deutschland, höre ich Deutschlands Anzug- und sicher nicht „Radio Blaumann“ tragende Radiomanager sagen.

Ich halte dagegen: Viele! Und es werden immer mehr. Zunehmend habe ich viele Jüngere, die der umkämpften Zielgruppe 20 – 30 Jahre, vor mir sitzen, die mir ihr Leid mit dem Radio heute klagen. Das dauernde Gequatsche geht ihnen auf den Geist, die Kurzinformationen auch (die dort aufhören wo sich die Jüngeren mehr erhoffen), die Verquickung von PR und Redaktion … jede Vorlesung gibt diese Tendenzen wieder. Nach vielen Diskussionen und Gesprächen – über Wochen hinweg – steht fest: die Jüngeren wollen wieder zuhören, wollen informiert werden, wollen mehr erfahren , mehr Hilfe bekommen, weil sie sich in der globalen und digitalisierten Welt nicht mehr richtig zurechtfinden. Vom Radio, das ist einhellige Meinung, aber auch von Medien überhaupt erhoffen sie sich Einordnung, Information (auch und gerade länger) und Hintergründe, weil sie viele Entwicklungen (noch) nicht durchschauen. Sie wollen sich über das Radio ärgern, wollen sich freuen, wollen sich mit dem Radio als Freund wieder anfreunden.

Was heißt das für uns, die wir Radio vor allem machen, weil wir es wirklich „lieben“, weil es auch „unser“ Medium ist und weil wir Radio nach wie vor „sexier als TV “ finden?

Ich bin überzeugt, dass es Zeit ist, über neue Ideen, neue Formen (wenn diese sein müssen …) , über neue Inhalte usw. nachzudenken, quer zu denken, brain zu stormen und Visionen zu entwerfen … wie das Radio der Zukunft wirklich aussehen sollte. Monate, ja Jahre denken wir nach und diskutieren, wie der so genannte Content aussehen soll, wie das Radio digital Hörer binden und hinzugewinnen will und soll und muss. Jetzt ist der Zeitpunkt erreicht, mal endlich wieder über Inhalte nachzudenken. Inhalt ist eben nicht gleich Content. Inhalt ist nicht einfach Füllen von leeren Onlineseiten. Inhalt ist Recherche, Ehrlichkeit, Transparenz gegenüber dem Hörer unserem Kunden, ist harte Arbeit die Mehrwert schafft und anbietet. Das heißt aber auch: Radiochefs müssen endlich wieder in die Ausbildung, in die Qualität, in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Wir älteren müssen unser Wissen weitergeben, den Jüngeren vermitteln was Radio in der Vergangenheit ausmachte, es jetzt und in Zukunft ausmacht!

Ohne dies alles wird es in Zukunft kein gutes und attraktives Radio mehr geben, wird selbst ein dann digital perfektes Radio ein Mitläufer im Mainstream sein.

Radio muss endlich wieder Risiko bedeuten, muss vorher kaum Planbares bedeuten, muss überraschend und nicht formatiert sein, muss allen Radiomitarbeitern wieder Anreize in der Kreativität bieten, muss sie engagieren, muss sie herausfordern, sie eigenständig entscheiden lassen und ihre „Chefs“ müssen wieder das Standing haben, manches und vieles auszuhalten und zu verteidigen.

Kurzum: Aus einem Formatradio muss endlich wieder ein Radio mit (wirklichem) Format werden.

Udo Seiwert-Fauti ist Korrespondent in Straßburg und Mitbegründer von Fair Radio

Das ist ja nochmal gut gegangen!

Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse (AGRA) erneuert ihre Forderung nach mehr Zurückhaltung der Politik gegenüber ARD und ZDF.

Die heutige Intendantenkür ist für die Sächsische Staatskanzlei und ihren Wunschkandidaten Bernd Hilder gründlich daneben gegangen. Neben dem gescheiterten Kandidaten ärgern sich nun wohl auch Parteistrategen wie Johannes Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Mitglied des ZDF-Fernsehrats und Medienpolitik-Koordinator der CDU-geführten Länder. Er hatte Hilder bis zuletzt massiv unterstützt.

Für die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse (AGRA) zeigt sich einmal mehr, dass der staatliche Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu einem Problem geworden ist, über das die Öffentlichkeit nicht hinweg sehen darf. Denn nicht immer verfehlen die Parteitaktiker ihre Ziele. Wir erinnern uns: Vor nicht einmal zwei Jahren scheiterte der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender am staatsnah dominierten Verwaltungsrat, obwohl ihn sein eigener Intendant zur Wahl empfohlen hatte. Die darauf erhobene Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht wird von der AGRA voll und ganz unterstützt.

Wir rufen den MDR-Rundfunkrat auf, einen wirklich unabhängigen und fachlich kompetenten Kandidaten zu wählen. Die zurückliegenden Skandale und Fehlentwicklungen des Senders müssen glaubwürdig bewältigt und neue Chancen erschlossen werden. Mit dieser Aufgabe parteipolitisch umzugehen, würde dem MDR nachhaltigen Schaden zufügen.

In diesem Zusammenhang unterstreicht die AGRA abermals die Bedeutung gesetzlich verankerter Redaktionsstatute. Sie sind ein wichtiger Garant der redaktionellen und programmlichen Unhabhängigkeit der Sender. Den parteipolitischen Kreisen rund um den MDR erscheint eine solche Institution allerdings bis heute verzichtbar.

ORF gibt sich Verhaltenskodex

Als Ergänzung zum Redakteurstatut gibt sich der ORF nun auch einen Verhaltenskodex für Redakteure. Beide sind als Download-Dokumente verlinkt.

Um Qualität, Authentizität und Glaubwürdigkeit der ORF-Berichterstattung sicherzustellen, wurde vorliegender Verhaltenskodex auf Basis von ORF-G § 4 in Einvernehmen mit dem Redakteursausschuss erstellt und von Publikumsrat und Stiftungsrat genehmigt. Er gilt für alle journalistischen Mitarbeiter/innen des ORF und darüber hinaus für alle ORF-Mitarbeiter/innen, die in Leitungsfunktion tätig sind. Als Anlaufstelle zur Beratung zur Sicherung und Einhaltung dieses Kodex ist ein Ethikrat eingerichtet.

AGRA-Tagung in Köln

Georg Berg (WDR) und Franziska Hofmann (ZDF) gewählt

Teilnehmer der AGRA-Tagung mit den Sprechern Franziska Hofmann (6. von links) und Georg Berg (2. von rechts)

„In Zeiten verflachter Hierarchien und Inhalte sehen sich die Redakteursvertretungen mehr und mehr bei der Qualitätssicherung gefordert“, hieß es heute auf der jüngsten Tagung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse, kurz AGRA. Teilnehmer aus fast allen ARD-Anstalten, dem ZDF, Dradio und Deutsche Welle waren zusammengekommen, um sich über ihre Arbeit und aktuelle Probleme auszutauschen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem jüngste Einsparungs- und Kürzungsvorhaben, aktuelle Programmentwicklungen und anstehende Konflikte in den einzelnen Häusern. Das Interesse war groß, denn trotz übereinstimmender Interessen gestaltet sich die Arbeit der Redakteursvertreterinnen und -vertreter sehr unterschiedlich. So arbeiten z.B. in manchen Anstalten freie Mitarbeiter direkt in den Gremien mit, in anderen sind es ausschließlich die fest angestellten Redakteure. „Hinzu kommt, dass das ZDF, der BR, der MDR und der SWR noch überhaupt kein offizielles Redakteursstatut haben“, kritisiert der als Sprecher wiedergewählte Georg Berg (WDR) die gegenwärtigen Verhältnisse. Er und Franziska Hofmann (ZDF) werden in den kommenden zwei Jahren das Sprecheramt ausfüllen, dem vor allem koordinierende Aufgaben zukommen.

Erinnerung an Fritz Raff

Auch uns in der AGRA hat die Nachricht vom Tode Fritz Raffs erschüttert. Wir trauern um den vom Journalismus geprägten Intendanten des Saarländischen Rundfunks. Ihm lag ein am Gemeinwohl orientierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk am Herzen. Fritz Raff legte großen Wert auf journalistische Qualität und vergaß auch niemals, diese einzufordern. Obwohl ihn seine schwere Krankheit schon gezeichnet hatte, nahm er sich die Zeit, im Sommer 2010 an einem unserer AGRA-Treffen teilzunehmen und aktiv mitzudiskutieren: souverän, humorvoll, einnehmend, mit umfassendem Wissen und mit leidenschaftlichem Plädoyer für Solidarität innerhalb der ARD. Sein Eintreten auch für die Rolle der freien Mitarbeiter war vorbildlich. Wir werden Ihn und sein Engagement für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vermissen.

WDR-Mitarbeiterzeitung gefälscht

In einer nachgemachten WDR-Print haben bislang unidentifizierte Mitarbeiter Einblicke in die schöne Zukunft des WDR eröffnet. Weil viele Probleme viel leichter lösbar sind, wenn man aus der Zukunft zurückblickt, hat die Aktion Diskussionen (sogar hausintern) ausgelöst, die vorher nicht möglich schienen. Intendantin Monika Piel sah sich zu einer anerkennenden Reaktion aufgefordert. Scripted Reality funktioniert also auch gegen den Strom.

Presseschau

„Auferstanden von den Quoten“ (spiegel.de)
Jauch abgesagt, Chefredakteur degradiert (Rheinische Post)
„Wende beim WDR“ – alles Fälschung (der Westen)
Was ein Spaß: Aufregung um gefälschte WDR-Zeitung (dwdl.de)

Der WDR sucht Fälscher seiner Hauszeitung (freienseiten.de)

Reaktionen auf die Saarbrücker Erklärung

Auf die Saarbrücker Erklärung der AGRA gab es drei Reaktionen.

  1. Der Personalratsvorsitzende von Radio Bremen, Bernd Graul, weist darauf hin, dass der in der Erklärung so genannte Dialog zu einem Trialog fortentwickelt werden sollte, da einige Regelungen tariflicher Abmachungen bedürfen.
  2. Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgust (SWR) schrieb per Mail, der er den „Leitfaden Rohmaterial und ungesendetes Material“ als PDF beifügte:

    Sehr geehrter Herr Berg,
    für die Übermittlung der Saarbrücker Erklärung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse danke ich und möchte Ihnen hierauf, auch im Namen meiner Amtskolleginnen und -kollegen wie folgt antworten.

    Ich habe große Sympathie für Ihren Standpunkt, dass die Chancen einer stärkeren Vernetzung unserer Ausspielwege genutzt werden müssen, ohne dass dabei die journalistische Qualität unserer Angebote leidet. Es muss ja das Interesse und Ziel einer solchen Vernetzung sein, dass das Angebot verbessert und nicht verschlechtert wird.

    Ich stimme mit Ihnen auch darin überein, dass aus der technischen Verfügbarkeit des Materials nicht hergeleitet werden darf, dass andere Autoren sich hier schrankenlos für eigene Beiträge bedienen können. Soweit Sie allerdings aus dem Urheberrecht ein Recht des ersten Bearbeiterzugriffs und ein Bestimmungsrecht für denjenigen fordern, der das Material recherchiert hat, muss ich Ihnen widersprechen. Niemand soll unter Berufung auf seine Urheberschaft verbieten dürfen, dass die von ihm recherchierten Informationen oder aufgenommenen O-Töne durch andere Kolleginnen und Kollegen in einem anderen Programm gesendet werden. Das Material und die daran bestehenden Rechte einschließlich der Bearbeitung gehören der Rundfunkanstalt und nicht (mehr) dem Urheber oder der Redaktion, der er angehört. Es ist nicht mehr zu vertreten, dass mehrere Reporterteams dieselbe Arbeit machen oder dass Informationen nicht rechtzeitig über den Sender gehen, weil im Sender vorhandenes Material nicht entsprechend genutzt wird. Material muss zwischen den Redaktionen intensiv ausgetauscht und auf allen Sendeplätzen gespielt werden, auf denen es benötigt wird. Aber das stellen Sie ja gar nicht in Frage, sondern fordern verbindliche Spielregeln für die Übernahme. Und hier bin ich wieder bei Ihnen.

    Ich darf darauf verweisen, dass es z.B. im SWR bereits seit dem Jahr 2007 einen verbindlichen „Leitfaden zum Umgang mit Rohmaterial bzw. ungesendetem Material im SWR“ gibt, wonach als Grundregel gilt, dass Rechercheergebnisse, Beiträge oder O-Töne nur nach vorheriger Absprache mit der herstellenden Redaktion verwendet werden dürfen, wobei die Nutzung des Materials jedoch nur aus wichtigen Gründen, die im Leitfaden beispielhaft genannt werden, abgelehnt werden darf.

    Gerne überlasse ich Ihnen diesen Leitfaden in der Anlage (pdf) zu diesem Schreiben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Peter Boudgoust
    ARD-Vorsitzender
    Südwestrundfunk

  3. Der Intendant des NDR, Lutz Marmor, erläutert in seinem Schreiben (pdf) die Haltung des NDR, der in einer Vereinbarung den fairen Austausch von Material und Informationen geregelt hat. Besonders weist der Intendant auf die Vorteile hin, die mit der Bündelung von Recherchen einhergeht.