{"id":1120,"date":"2026-06-04T14:35:57","date_gmt":"2026-06-04T13:35:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/?p=1120"},"modified":"2026-06-04T14:35:57","modified_gmt":"2026-06-04T13:35:57","slug":"ausgerechnet-cosmo-das-ende-des-senders-ist-ein-fataler-irrweg-und-ein-schlag-ins-gesicht-fuer-publizistische-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/?p=1120","title":{"rendered":"Ausgerechnet COSMO \u2013 das Ende des Senders ist ein fataler Irrweg und ein Schlag ins Gesicht f\u00fcr publizistische Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p>Die geplante Umwandlung von COSMO in \u201e1LIVE Street\u201c ist weit mehr als eine Programmreform. Sie steht beispielhaft f\u00fcr eine Entwicklung, die den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinem Kern trifft: die schleichende Verengung von Vielfalt zugunsten vermeintlicher Markenlogik und kurzfristiger Reichweitenziele.<\/p>\n<p>COSMO ist kein Nischenangebot. Der Sender erreicht seit Jahren Menschen, die in den Programmen des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks sonst oft zu wenig vorkommen: Menschen mit Einwanderungsgeschichte, mehrsprachige Communities, international orientierte H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer sowie all jene, f\u00fcr die kulturelle Vielfalt gelebte Realit\u00e4t ist. Gerade in einer vielf\u00e4ltigen Einwanderungsgesellschaft erf\u00fcllt COSMO einen Auftrag, der nicht beliebig durch andere Programme ersetzt werden kann.<\/p>\n<p>Umso unverst\u00e4ndlicher ist die Entscheidung, ausgerechnet dieses Angebot in ein auf eine deutlich j\u00fcngere Zielgruppe zugeschnittenes Untersegment einer Popwelle umzuwandeln. Aus einem journalistischen und kulturellen Angebot mit eigenst\u00e4ndigem Profil soll ein formatierter Markenbaustein werden. Die geplante Konzentration auf eine engere Zielgruppe und bestimmte Musikgenres mag marktstrategisch begr\u00fcndbar erscheinen. Sie ist jedoch kein Ersatz f\u00fcr das, was COSMO bislang geleistet hat.<\/p>\n<p><strong>Vielfalt ernst nehmen!<\/strong><\/p>\n<p>\u00d6ffentlich-rechtlicher Rundfunk darf nicht allein danach bewertet werden, wie effizient er sich vermarkten l\u00e4sst. Sein Auftrag besteht gerade darin, Angebote zu schaffen, die kommerzielle Anbieter nicht oder nicht in gleicher Weise leisten. Wer Vielfalt ernst meint, darf sie nicht dort abbauen, wo sie tats\u00e4chlich gelebt wird.<\/p>\n<p>Besonders irritierend ist dabei, dass die Reform als Weiterentwicklung dargestellt wird, obwohl wesentliche programmliche Elemente wegfallen sollen. Mehrsprachige Angebote, internationale Perspektiven und die besondere journalistische Ausrichtung von COSMO drohen erheblich geschw\u00e4cht zu werden. Gleichzeitig bleibt unklar, welchen konkreten Mehrwert die geplanten Ver\u00e4nderungen f\u00fcr Publikum, Programmqualit\u00e4t und \u00f6ffentlich-rechtlichen Auftrag tats\u00e4chlich bringen sollen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass bis heute keine \u00fcberzeugende Erkl\u00e4rung vorliegt, welchen nennenswerten Beitrag diese Ma\u00dfnahme zur finanziellen Konsolidierung leisten wird. Wenn durch eine Reform vor allem ein publizistisch einzigartiges Angebot verloren geht, w\u00e4hrend der Spareffekt begrenzt bleibt, stellt sich zwangsl\u00e4ufig die Frage nach den Priorit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung im Alleingang<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso problematisch wie die inhaltliche Entscheidung selbst ist der Weg, auf dem sie zustande gekommen ist. Die Gesch\u00e4ftsleitung des WDR hat im Alleingang entschieden. Viele Mitarbeitende erfuhren von zentralen Weichenstellungen erst, als diese bereits weitgehend beschlossen waren. Redaktionen wurden unzureichend eingebunden, Kritik aus den Programmbereichen fand zu wenig Geh\u00f6r, und auch die Kommunikation gegen\u00fcber Kooperationspartnern war offenbar von mangelnder Transparenz gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Sender, der gesellschaftliche Teilhabe, demokratische Debattenkultur und Transparenz zu seinen Grundwerten z\u00e4hlt, muss diesen Ma\u00dfst\u00e4ben auch bei eigenen Reformprozessen gerecht werden.<\/p>\n<p>Wir fordern deshalb eine offene Neubewertung der geplanten Umstrukturierung, eine transparente Darlegung ihrer programmlichen und finanziellen Folgen sowie eine ernsthafte Beteiligung der betroffenen Redaktionen und Kooperationspartner.<\/p>\n<p>Die Debatte um COSMO ist mehr als eine Diskussion \u00fcber einen Radiosender. Sie ist eine Debatte dar\u00fcber, wie der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk seine Zukunft gestalten will: durch publizistische Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz \u2013 oder durch die Vereinheitlichung von Programmen unter starken Marken.<\/p>\n<p><strong>Unverwechselbare Angebote st\u00e4rken &#8211; nicht schw\u00e4chen!<\/strong><\/p>\n<p>Wer den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk st\u00e4rken will, sollte seine unverwechselbaren Angebote nicht schw\u00e4chen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, wachsender kultureller Vielfalt und eines erstarkenden Nationalismus braucht es mehr R\u00e4ume f\u00fcr unterschiedliche Perspektiven, nicht weniger.<\/p>\n<p>COSMO ist kein Randthema. COSMO ist ein Beispiel daf\u00fcr, was \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten kann, wenn er seinen Auftrag ernst nimmt.<\/p>\n<p>______________<\/p>\n<p>AGRA \u2013 Arbeitsgemeinschaft der \u00f6ffentlich-rechtlichen Redaktionsaussch\u00fcsse<\/p>\n<p>Sprecher*innen: Hubert Krech (ZDF), Alexandra Dietz (SWR), Gabriela Mirkovic (NDR)<\/p>\n<p>Kontakt: <a href=\"mailto:sprecher@agra-rundfunk.de\">sprecher@agra-rundfunk.de<\/a> \u2013 <a href=\"http:\/\/blog.agra-rundfunk.de\/\">http:\/\/blog.agra-rundfunk.de<\/a><\/p>\n<p>Die AGRA ist die Arbeitsgemeinschaft der \u00f6ffentlich-rechtlichen Redaktionsaussch\u00fcsse (ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle). Die Redaktionsaussch\u00fcsse sind jeweils gew\u00e4hlte Vertreter der Redakteurinnen und Redakteure und setzen sich f\u00fcr die innere und \u00e4u\u00dfere Pressefreiheit ein. Die Redakteursmitwirkung im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde vom Bundesverfassungsgericht best\u00e4tigt und ist in mehreren Bundesl\u00e4ndern gesetzlich festgeschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geplante Umwandlung von COSMO in \u201e1LIVE Street\u201c ist weit mehr als eine Programmreform. Sie steht beispielhaft f\u00fcr eine Entwicklung, die den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinem Kern trifft: die schleichende Verengung von Vielfalt zugunsten vermeintlicher Markenlogik und kurzfristiger Reichweitenziele. COSMO ist kein Nischenangebot. Der Sender erreicht seit Jahren Menschen, die in den Programmen des \u00f6ffentlich-rechtlichen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/?p=1120\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAusgerechnet COSMO \u2013 das Ende des Senders ist ein fataler Irrweg und ein Schlag ins Gesicht f\u00fcr publizistische Vielfalt\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1120","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","entry"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p5x4SE-i4","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1120"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1123,"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions\/1123"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}