{"id":136,"date":"2011-11-16T21:34:26","date_gmt":"2011-11-16T20:34:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.agra-rundfunk.de\/?p=136"},"modified":"2015-04-17T14:18:53","modified_gmt":"2015-04-17T13:18:53","slug":"bremer-erklarung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/?p=136","title":{"rendered":"Bremer Erkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem letzten Treffen der &#8222;Arbeitsgemeinschaft der \u00f6ffentlich-rechtlichen Redakteursaussch\u00fcsse&#8220; (AGRA) am 10.\/11.November in Bremen haben wir RedakteuInnen u.a. \u00fcber ver\u00e4nderte Arbeitsbedingungen in den einzelnen Sendern berichtet. Immer mehr Programm soll in immer k\u00fcrzerer Zeit von den KollegInnen produziert werden &#8211; darunter leidet h\u00e4ufig die Qualit\u00e4t der Produkte. In diesem Sinne haben wir die &#8222;Bremer Erkl\u00e4rung&#8220; an die Intendantinnen und Intendanten gerichtet.<\/p>\n<blockquote><p>Die AGRA sieht die Tendenz, dass die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender ihre Kompetenz in der Berichterstattung verlieren, wenn es ihnen nicht gelingt, bei knapper werdenden Mitteln ihre Qualit\u00e4t zu sichern.<\/p>\n<p>Uns sind dabei folgende Punkte wichtig:<\/p>\n<p>1. Unsere Reputation ist davon abh\u00e4ngig, dass weiterhin Fachredakteure zu Gerichtsverhandlungen, Kongressen, Pressekonferenzen gehen und dort qualifizierte Fragen stellen, um komplexe Vorg\u00e4nge einordnen zu k\u00f6nnen. Wir h\u00f6ren aber, dass ausscheidende Fachredakteure manchmal nicht ersetzt werden und Fachredaktionen abgeschafft werden. Wir w\u00fcnschen, dass Fachwissen erhalten und gef\u00f6rdert wird. Die Aus- und Fortbildung muss unterst\u00fctzt werden, feste und freie Fachredakteure m\u00fcssen auch daf\u00fcr bezahlt werden, dass sie am Thema dranbleiben, um Kompetenz zu erhalten und Kontakte zu pflegen &#8211; nicht nur f\u00fcr die aktuelle Berichterstattung. Erfolg versprechend k\u00f6nnen auch Fachsendefl\u00e4chen sein. Es ist belegt, dass diese \u00fcber das Internet viele neue Nutzer gewinnen. Wir schlagen vor, dass unter den Freien und festen Redakteuren Fachleute identifiziert und gef\u00f6rdert werden und dass ihr Wissen mehr genutzt wird.<\/p>\n<p>Wir unterst\u00fctzen positive Ans\u00e4tze wie den Aufbau von Recherchepools. Nur so k\u00f6nnen die Sender \u00fcber den Terminjournalismus hinaus eigene Themen setzen.<\/p>\n<p>2. Viele Freie bekommen Recherchetage und Reisen h\u00e4ufig nicht bezahlt. Des Weiteren sollen sie neben ihrer Autorent\u00e4tigkeit mehr Ausspielwege bedienen, selber aufnehmen, drehen und schneiden. Daf\u00fcr werden sie aber oftmals nicht gesondert honoriert.<\/p>\n<p>Freie Mitarbeiter und fest angestellte Redakteure arbeiten immer h\u00e4ufiger als Generalisten. Die Gefahr besteht, dass sie dann komplexe Themen nicht mehr einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Sie sind leichter zu beeinflussen von Lobbyisten. Sie laufen Gefahr, gerade unter Zeitdruck, Pressemeldungen und PR-Infos ungepr\u00fcft zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Unter diesem Druck ist es schwierig, hochwertige Produkte zu erstellen. Die Folgen der Arbeitsverdichtung gelten auch f\u00fcr Festangestellte.<\/p>\n<p>3. Redaktionsvolont\u00e4re berichten, dass in der Ausbildung technische Aspekte und die Beherrschung von Aufnahme- und Ausspielformen immer mehr Raum einnehmen. Das gehe zu Lasten inhaltlicher Aspekte wie Darstellungsformen, Dramaturgie, Interviewtechniken etc.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es wichtig, alle neuen Ausspielwege zu erschlie\u00dfen, um die Zuschauer, H\u00f6rer, User dort abzuholen, wo sie sind. Aber das journalistische Handwerk sollte an erster Stelle stehen.<\/p>\n<p>Sendefl\u00e4chen m\u00fcssen mit guten Inhalten gef\u00fcllt werden. Gerade in einer komplexer werdenden Medienwelt setzt sich nur Qualit\u00e4t durch. In einer komplexen, un\u00fcbersichtlichen Welt suchen die Menschen nach Einordnung und Erkl\u00e4rung durch kompetente Journalisten.<\/p>\n<p>4. Wir beobachten den Zwang, immer mehr Programm zu f\u00fcllen und h\u00f6ren, dass Redakteure keine Zeit mehr haben, die Inhalte mit der gebotenen Sorgfalt zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>5. Durch die Tendenz, mit weniger Mitarbeitern mehr Programm zu f\u00fcllen, geht h\u00e4ufig der innerbetriebliche Austausch verloren (Job Rotation). Wir fordern die Intendantinnen und Intendanten auf, solche M\u00f6glichkeiten zu erhalten und zu f\u00f6rdern. Nach unserer Erfahrung erweitern sie den Horizont und verbessern die multimediale Zusammenarbeit. Perspektivwechsel erh\u00f6hen die Motivation und f\u00fchren zu messbar besseren Ergebnissen.<\/p>\n<p>Die Existenzgrundlage der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender darf nicht aufs Spiel gesetzt werden: Qualit\u00e4t ist das beste Argument f\u00fcrs \u00dcberleben. Nur die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender k\u00f6nnen aufw\u00e4ndig recherchierte Inhalte liefern, die die Geb\u00fchrengelder rechtfertigen. Die inhaltliche Qualit\u00e4t ist das dauerhafte Unterscheidungsmerkmal.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft der \u00f6ffentlich-rechtlichen Redakteursaussch\u00fcsse bietet sich den Intendantinnen und Intendanten f\u00fcr einen Austausch \u00fcber die Qualit\u00e4tssicherung an.<\/p>\n<p>Bremen, 11. November 2011<\/p><\/blockquote>\n<p>Stellungnahmen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.agra-rundfunk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/AGRA-VdHR.pdf\" target=\"_blank\">Verband der H\u00f6rspielRegisseure(VdHR)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem letzten Treffen der &#8222;Arbeitsgemeinschaft der \u00f6ffentlich-rechtlichen Redakteursaussch\u00fcsse&#8220; (AGRA) am 10.\/11.November in Bremen haben wir RedakteuInnen u.a. \u00fcber ver\u00e4nderte Arbeitsbedingungen in den einzelnen Sendern berichtet. Immer mehr Programm soll in immer k\u00fcrzerer Zeit von den KollegInnen produziert werden &#8211; darunter leidet h\u00e4ufig die Qualit\u00e4t der Produkte. 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